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Am Wochenende des 20./21. Juni 2015 waren die Rostocker Seebären einmal mehr in Sachen Drachenboot unterwegs, um einer berechtigten Frage auf den Grund zu gehen. 

Wann ist der Erfolg wahrhaftig und rechtmäßig? Können wir Begriffe wie "Glück" und "Zufall" getrost vernachlässigen, wenn wir auf einen gebührend gefeierten Sieg zurückblicken?

 

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Was genau damit gemeint ist, liegt vielleicht nicht unmittelbar auf der Hand, doch der nachfolgende Beitrag sucht Licht in das zu bringen, womit sich wohl die meisten Sportler schon konfrontiert sahen.

 

Es betrifft in diesem speziellen Falle das 14. Greifswalder Drachenbootfest ausgerichtet von der Abteilung Kanu des HSG Universtät Greifswald e.V.. In der letztjährigen Auflage dieses kleinen und durchaus feinen Wettkampfes konnten die Seebären sowohl die 250m-Strecke als auch die 1.300m für sich entscheiden. Somit avancierte das Team des KfRG in diesem Jahr zum Boot Nummer eins auf der Gejagtenliste. Die Meldungen von 46 weiteren Teams verhießen einen heißen Tanz auf der guten alten Hilda, dem Ryckfluss, der sich zum Greifswalder Bodden windet. Im Gegensatz zum Vorjahr trafen sich auch unsere Barther Freunde des Pommernexpress und die Haudegen der Uckerdrachen aus Prenzlau zum Stelldichein. Sie erweiterten das Feld der etablierten Teams wie z. B. den Arabros der GRC Hilda und der SCN Icebreaker. Mit dem Wissen um dieses mehr als respektables Teilnehmerfeld im Gepäck und der Frage im Sinn, was der Sieg im Vorjahr denn überhaupt wert sein konnte, begaben sich die Seebären auf den Weg in die altehrwürdige Universitäts- und Hansestadt Greifswald, die schon von Weitem mit den Panoramen lockte, die der Meister und Sohn der Stadt Caspar David Friedrich für die Nachwelt festgehalten hat. Doch keine Zeit dem Romantischen nachzuhängen. Ästhetik sollte es in den kommenden zwei Tagen nur auf dem Wasser zu genießen geben. Tüchtig trainiert und genährt konnte es für uns also in den Wettstreit gehen.

Im ersten Vorlauf des Sonnabends kam es zum Duell mit den Greifswalder Schwarzfahrern, die uns vor allem aus der Indoor-Saison nicht unbekannt sind. Ziel konnte nur das Erreichen einer möglichst schnellen Zeit sein. Die Addition der zwei Vorlaufzeiten entschied bereits über die Ansetzung der Halbfinals. Einen starken und somit schnellen Halbfinallauf zu erwischen, hatte oberste Priorität, da die drei zeitschnellsten Boote schlussendlich im großen Finale um den Sieg paddeln sollten. Unser Drachenboot kam in diesem ersten Lauf gut in Fahrt, obwohl eine leichte Unruhe ausgemacht werden konnte. Der Schlag schien etwas zu hoch gewählt und zu allem Überfluss wurde aus dem Hinterboot getrieben. Mit der Zielzeit von 1:02:74min ging der Lauf deutlich an die Seebären. Insgesamt reichte es jedoch nur zu Rang zwei hinter den bärenstarken Pommern, die uns eine gute halbe Sekunde abgenommen hatten. Die Uckerdrachen befanden sich mit einer 1:03:28min in Schlagdistanz zu uns. Auch der zweite Vorlauf, den wir souverän nach Hause bringen konnten, änderte nichts am Gesamtklassement. Pommernexpress vor den Seebären und den Uckerdrachen!!! Der Sonnabend hatte gezeigt, dass eine  Steigerung notwendig war, wenn das Ziel der Titelverteidigung und die Ausschaltung des Zufalls realisiert werden sollte. 

Nun glaubt jedoch nicht, dass der erste Wettkampftag mit zwei simplen 250m-Rennen bereits beendet sein sollte. Weit gefehlt, denn am späten Nachmittag ging es noch auf die traditionelle 1.300m-Strecke, nennen wir sie einfach „Langstrecke“. Die direkten Duelle ergaben sich aus den Zeiten der Vorläufe. Ergo mussten wir neben dem Pommernexpress ins Rennen gehen, die anderseitig von den Veranstaltern der Greifendrachen flankiert wurden, die konventionell im letzten Rennen des Tages starteten, da sie vorher alle Hände voll mit der Organisation und der Gewährleistung des Wettkampfablaufes zu tun hatten. Dafür gilt ihnen ausdrücklich ein großer Dank und Respekt von Seiten der Rostocker Seebären.  Das Startsignal trieb die drei Teams von der Brücke im Greifswalder Museumshafen den malerisch dahinfließenden Ryck entlang bis zum Vereinsgelände der HSG, vor dem sich die imaginäre Ziellinie befand. In allen Booten herrschte höchste Konzentration. Man hätte die Spannung in der Luft mit dem Messer schneiden können. "Are you ready? Attention! GO!!!", tönte es und die Boote brachen aus ihren verordneten Fesseln. Mit purer Gewalt und feiner Synchronität gelang es den Seebären den Start für sich zu entscheiden. Daran haben wir immer wieder im Training gefeilt. Es scheint sich gelohnt zu haben. Dann ging es auf der rechten Außenbahn auf den Streckenabschnitt. Neben uns das tiefe und kraftvolle Atmen der Pommern. Die Konstellation artete in einen Stellungskampf aus, der auch von den Greifendrachen nicht für verloren erklärt worden war. So ergab es sich, dass sich Seebären und Pommern gegenseitig nach vorn peitschten, während der Steuermann der Greifen allmählich rechtsseitig einbrach und somit die Pommern unter Druck setzte. Diese wiederum gaben den Druck an uns weiter und es wurde gefährlich eng auf der Hilda. Die Paddel knallten aneinander und aus der Ferne muss es gewirkt haben, als fahren dort nicht drei Boote ein Rennen, sondern nur eines, ein zugegebenermaßen breites Drachenboot. Im Verbund unweit des Ufers ackernd, zog sich das Rennen Schlag um Schlag in die Länge. Es kostete außergewöhnlich viel Kraft die Angriffe der Pommern zu parieren und 200m vor dem Ziel kassierten sie uns. Zeit für einen langen Endspurt. Vor den jolenden Massen brannten die drei Teams ein Feuerwerk der Aufopferung ab. Jeder Zug wurde gefahren, als könne es der letzte sein. Ein fantastischer Zieleinlauf ließ uns mit einiger Hoffnung zurück, den Pommernexpress auf den letzten Metern überholt zu haben. Die Siegerehrung sollte es zeigen.

Frisch geduscht mit einem erfrischenden Getränk ausgerüstet, begaben sich die Sportler fachsimpelnd zur besagten Ehrung der Schnellsten auf der langen Strecke. Überall vernahmen wir Gratulationen für den Sieg. Die Platzierungsansagen erreichten die TopTen und auf Rang fünf rief die Wettkampfleitung die Greifendrachen auf, die nur knapp hinter uns ins Ziel gekommen sind. Rang vier ging an den Pommernexpress, während die Rostocker Seebären Rang drei mit einer Zeit von 5:42:88min ergatterten. Lange Gesichter bei allen Laufteilnehmern, als die Black Sheeps des SVB und die Uckerdrachen die Pokale für Platz zwei und eins in Empfang nahmen. Zwei Sekunden trennten sie von unserem Lauf. Was war geschehen? Tatsächlich fuhren wir fast 30 Sekunden langsamer als im Vorjahr. Das kann nur erklärt werden durch ein unheimlich träges Rennen, in dem sich drei Boote aneinander festsogen. Die gedrängte Uferfahrt kostete am Ende die notwendigen Sekunden. Rang drei bei der ersten Entscheidung und unbändige Freude bei den Rostocker Kollegen der Black Sheeps. Glückwunsch an die Sieger !!!

Wenigstens hatten wir einen Pokal. Daraus konnte man schließlich etwas trinken und am Abend war gemütliches Beisammensein, Party mit den "Zusammengesackten Mülltüten" und kleines Wundenlecken verordnet, ehe es am nächsten Morgen wieder auf die kurzen 250m ging. So fand man sich dann auch auf der Strecke wieder. Innenbahn für die Pommern, die gehörige Wut im Bauch zu haben schienen, rechte Außenbahn für die Vortagessieger aus Prenzlau und die linke Außenbahn für die Seebären aus Rostock. Es ging wieder um eine gute Zeit für den Finaleinzug. Ein besserer Lauf wäre, im Nachgang betrachtet, kaum möglich gewesen, also lautete die Maßgabe...Sieg! Eine Minute später überquerten wir mit einem deutlichen Vorsprung die Ziellinie. Ein perfekter Lauf!? Start, Stecke und Endspurt haben gezündet, während die Nerven auf Sparflamme liefen. Der Finaleinzug endlich gesichert. Wie erwartet sollten wir auch dort wieder auf die Pommern und die Uckerdrachen bei gleicher Bahnbelegung treffen, da die Addition der Zeiten noch für die Pommern sprach, die gern wohl die Mittelbahn verlassen hätten. Die Freude über den Lauf wich der allmählichen Vorbereitung auf das große Finale. Zweifel wurden gestreut. Hatten die Gegner taktiert, um eine bessere Ausgangssituation zu erlangen? EGAL !!!

Gespannt warteten die Menschen am Ryckufer auf den Einlauf des Finales und der drei schnellsten Teams des Wochenendes. In den Booten warteten die Sportler nur darauf, all das aufs Wasser zu bringen, was nach zwei Tagen noch in den Knochen schlummerte. Die gespannte Atmospähre eines Finals ändert sich nie und ist nur schwer zu beschreiben. Anspannung und Freude ringen im Leib und fiebern dem "Go" entgegen. Als dieses schließlich ertönte, kochte das Wasser vor einwirkender Energie. Zum Rennverlauf kann ich nichts zum Besten geben. Eine Minute Abwesenheit bzw. Verschmolzenheit mit dem Boot, in dem man sich befand. Der Jubel der Menschen und das Geschrei der Ansage holte einen zurück in die Realität. SIEG!!! Mit einer unfassbaren Bestzeit von 1:01:66min und somit fast 1,5 Sekunden Vorsprung vor dem Pommenexpress und zwei Sekunden vor den Uckerdrachen konnten wir die Titelverteidigung realisieren.

 

 

Der gesamte Wettkampf in Greifswald verlangte den Seebären ein hohes Maß an Konzentration ab. Der Rückschlag auf der Langstrecke musste verdaut und in etwas Positives verwandelt werden. Das gelang uns einmal mehr und mit Stolz kann konstatiert werden, dass dieses Team einen Reifegrad erreicht hat, der es erlaubt schwierige Situationen erfolgreich zu gestalten. Dafür ein großes Lob an alle Verantwortlichen des Teams und an die Sportler.

Die Frage nach der Ausschaltung des Zufalls ist hingegen noch immer nicht beantwortbar. Klar erscheint, dass hartes Training, Arbeit und Kampf helfen dem Glück einen Schwung in die richtige Richtung zu versetzen, aber die Langstrecke wiederum bewies, dass nichts planbar ist in diesem tollen Sport. Im nächsten Jahr wird man uns wieder jagen, aber auch wir haben es auf die Uckerdrachen abgesehen, um ihnen auf den 1.300m die Hölle heiß zu machen. Wir alle freuen uns riesig auf die nächste Auflage dieses kleinen und durchaus feinen Wettkampfes im schönen Vorpommern...Und wer weiß? Vielleicht schlägt man sich bis dann in Prenzlau mit einer ähnlichen Fragestellung herum.


PS: Bald ist Warnemünde.

Bis dahin, Sportfreunde und Sympathisanten ;)  

   

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